Dialoge, wie wirken: Die besten Tipps
- Kristian Nystrøm

- Feb 5
- 5 min read
Gute Dialoge sind eines der stärksten Werkzeuge, um Figuren lebendig zu machen, Emotionen fühlbar zu machen und Handlung sowie Beziehungen voranzutreiben. Es ist nicht leicht, gute Dialoge zu schreiben, und man sollte vorher wohldurchdachte Charaktere haben, die Ecken und Kanten aufweisen. Dialoge funktionieren dann wie ein Scheinwerfer auf innere Konflikte und entfesseln eine Dynamik zwischen Charakteren, ohne dass alles erklärend erzählt werden muss. Ich habe hier die aus meiner Sicht wichtigsten Punkte zusammengetragen und versucht, mit Charakteren aus meinem Buch Beispiele zu geben.
Wozu Dialoge dienen
Charaktere darstellen: Wortwahl, Satzlänge, Pausen und Sprachrhythmus zeigen die Persönlichkeit, den Hintergrund und den Status einer Figur, ohne dass diese erklärt werden müssen. Eine schroffe, knappe Sprache wirkt anders als z.B. eine umständlich-höfliche oder gar poetische Rede.
Schlechtes Beispiel: Krieleg: „Ich habe schon häufig gegen Winterwölfe gekämpft. Bleib an meiner Seite, Kleines, dann passiert dir nichts.“ Rina: „Ja, ich bleibe gleich hinter dir.“
Gutes Beispiel: Krieleg: „Bleib ruhig, Rina. Winterwölfe bluten, wie alle anderen Mutanten auch. Wenn er blutet, haben wir schon halb gewonnen. Wenn nicht, rennen wir.“ Rina: „Soll ich hinter dir bleiben, wenn du kämpfst … oder wenn du rennst?“
Emotionen zeigen: Was Figuren sagen, wie schnell sie sprechen, ob sie ausweichen oder direkt werden, transportiert Wut, Angst, Zuneigung oder Unsicherheit, oft stärker als beschreibende Sätze.
Schlechtes Beispiel: „Ich bin so wütend auf dich! Wie konntest du die Prüfung unerlaubterweise durchführen?!“
Gutes Beispiel: „Du hast sie was …?!“ Er starrte auf die Textausgabe des Bildschirms, seine Hände zitterten über der Konsole. „Sag mir nicht, du hast dieses verdammte Prüfungssystem gehackt?“
Handlung vorantreiben: Gut gesetzte Gespräche geben Informationen, enthüllen Geheimnisse, treiben Entscheidungen voran und ersetzen erklärende Infodumps, indem der Leser sich vieles aus dem Gesagten erschließt.
Schlechtes Beispiel: „Ben, wir haben keine geladenen Schallpistolen mehr, wir müssen mit der Axt gegen die Winterwölfe kämpfen.“
Gutes Beispiel: „Die Schallpistole ist leer geschossen.“ „Haben wir keine Akkus mehr in Reserve?“ „Nein. Wir müssen die Axt nehmen.“ „Gegen die mörderische Bestie? Das ist Selbstmord.“
Beziehungen sichtbar machen: Unterbrechungen, Spitzfindigkeiten, Insider-Witze oder höfliche Distanz zeigen Nähe, Machtgefälle, Konflikte oder Verbundenheit zwischen Figuren an.
Schlechtes Beispiel: „Wir kennen uns seit unserer Kindheit und sind Freunde. Ich vertraue dir.“
Gutes Beispiel: „Ich kann nicht machen, was der Klan-Anführer von mir will.“ „Kannst du dich noch an den letzten Wintersturm erinnern, aus dem ich dich gerettet habe?“ „Ich versuche es zu vergessen.“ „Ich werde immer an deiner Seite sein, egal was du tust.“
Kernprinzipien guter Dialoge
Show, don’t tell: Dialoge sollten nicht wiederholen, was der Erzähler schon erklärt, sondern neue Facetten von Figuren, Konflikt oder Welt sichtbar machen.
Schlechtes Beispiel: Erzähler: Die KI war beschädigt. KI: „Meine Erinnerungen sind unvollständig.“
Gutes Beispiel: „Initiieren Reflexionstest, Elona!“ „Meine neuronale Kalibrierungsfähigkeit ist um 40 Prozent vermindert. Meine … mein Langzeitgedächtnis scheint partiell gelöscht.“
Eigene Stimme für jede Figur: Unterschiede in Wortschatz, Tempo, Grammatik, Füllwörtern und Metaphern helfen, Figuren allein am Gesprochenen erkennbar zu machen.
Schlechtes Beispiel: Ben: „Der Kampfstab ist kaputt.“ Rina: „Ja, er lässt sich nicht mehr ausfahren.“ (Beide klingen gleich flach).
Gutes Beispiel: Ben: „Der verdammte Stab will nicht kämpfen!“ Rina: „Der Auszugsmotor reagiert auf keinen Input. Ich muss den Motor manuell überbrücken und ausbauen.“
Subtext und Unausgesprochenes: Die spannendsten Dialoge sagen nicht alles offen. Andeutungen, Ausweichmanöver und Pausen lassen den Leser zwischen den Zeilen lesen.
Schlechtes Beispiel: „Ich liebe dich, aber ich muss auf diese Mission gehen, auch wenn ich vielleicht sterbe.“
Gutes Beispiel: Sie schärfte ihr Jagdmesser, ohne ihn anzusehen. „Lass meine Pflanzen nicht verkümmern, okay?“ „Komm einfach zurück und kümmere dich selbst.“ „Versprich es mir, Ben.“
Knappheit und Fokus: Literarischer Dialog ist konzentrierte, ausgewählte Sprache. Alles, was keine Figur oder Handlung voranbringt, wird gestrichen.
Schlechtes Beispiel: „Hallo Ben.“ – „Hallo Rina.“ – „Wie geht es dir?“ – „Gut und selbst?“ – „Auch gut. Ich wollte fragen, ob wir heute zusammen trainieren.“
Gutes Beispiel: „Lass uns für den Kampf trainieren.“„Nur wenn du mir bei der Fusionskontrolle hilfst.“
Spannung und Emotion durch Dialog
Konflikt im Gespräch: Unterschiedliche Ziele, Geheimnisse und unausgesprochene Ängste sorgen dafür, dass selbst freundliche Gespräche eine Reibung haben, die Spannung erzeugt.
Schlechtes Beispiel: „Wollen wir die Höhle erkunden?“ – „Ja, gute Idee.“ – „Okay, gehen wir.“
Gutes Beispiel: „Schnell in die Höhle.“ – „Ich muss noch die Lebensmittel einsammeln.“ – „Wir haben keine Zeit, das Feuer wird uns einholen!“ – „Ohne Essen werden wir nicht überleben!“
Tempo über Satzbau: Kurze, gehackte Sätze wirken hektisch oder bedrohlich, längere, mäandernde Sätze eher nachdenklich oder entspannt. Dialog formt so direkt die Dramaturgie der Szene.
Schlechtes Beispiel: Während eines Gefechts: „Oh nein, da kommt noch ein Trupp Krieger auf uns zu, wir sollten vielleicht das Weite suchen, bevor wir überrannt werden.“
Gutes Beispiel: „Hinterhalt!“ „Formiert euch!“ „Es sind zu viele – rennt!“
Actionbeats und Pausen: Kleine Handlungen, Blicke oder Schweigen zwischen den Sätzen geben Emotionen Tiefe und verhindern, dass der Dialog wie „sprechende Köpfe“ im luftleeren Raum wirkt.
Schlechtes Beispiel: „Ich habe gelogen“, sagte Ben. „Warum?“, fragte Rina. „Weil ich musste“, sagte Ben.
Gutes Beispiel: „Ich habe gelogen.“ Ben wischte sich Ruß von der Stirn. Rina senkte die Waffe, aber ihr Finger blieb am Abzug der Schallpistole. „Warum?“ Er lachte leise, ein bitteres Geräusch. „Weil die Wahrheit uns beide umgebracht hätte.“
Beziehungen sichtbar machen
Muster im Reden: Wiederkehrende Insider-Formulierungen, gemeinsame Witze oder bestimmte Anreden zeigen Nähe und Geschichte zwischen Figuren.
Schlechtes Beispiel: „Guten Morgen, Ben, mein lieber Klan-Bruder.“
Gutes Beispiel: „Kampftraining oder Kopftraining?“„Ich trainiere gleich mit deinem Kopf, Ben.”
Machtverhältnisse: Wer fragt, wer ausweicht, wer unterbricht, wer das letzte Wort hat – all das positioniert Figuren zueinander, ohne dass Hierarchien explizit erklärt werden.
Schlechtes Beispiel: Klan-Anführer: „Ich befehle euch, das zu tun.“ Klan-Krieger: „Wir müssen gehorchen, weil du der Anführer bist.“
Gutes Beispiel: Klan-Krieger: „Ich brauche nur ein paar Minuten, dann habe ich Samen. Geben Sie mir die Zeit.“ Klan-Anführer: „Drei Minuten.“ Er macht eine befehlende Geste. „Dann versiegeln wir die Bunker-Tür.“
Entwicklung über die Zeit: Wenn sich der Tonfall zwischen Figuren verändert (von formell zu vertraut, von offen zu kühl), kann der Leser die Veränderung der Beziehung unmittelbar miterleben.
Schlechtes Beispiel: Anfang: „Hallo.“ Ende: „Hallo, ich mag dich jetzt mehr.“
Gutes Beispiel: Kapitel 1: „Fasse die Schallpistole nicht an, Kind.“ Kapitel 20: „Nimm die Waffe, Rina. Ich decke dir den Rücken.“
Wie haben dir die Beispiele gefallen? Lass es mich wissen!
Wenn dir die Einleitung zum Thema gefallen hat, findest du in den Links unten noch jede Menge weiterer Beispiele.
Websites mit guten Dialog-Ressourcen
Patricia Alge – „12 Tipps für packende Dialoge“: https://www.patriciaalge.ch/post/12-tipps-f%C3%BCr-packende-dialoge
Rediroma Verlag – „Dialog schreiben – Tipps“: https://www.rediroma-verlag.de/ratgeber/dialog-schreiben
Kreative Schreibwelt – „Dialoge schreiben lernen: 15 Tipps“: https://kreative-schreibwelt.de/dialoge-tipps-fur-lebendige-gespraeche/
Literat Pro – „Der Dialog: Charakterisierung und Spannungsaufbau“: https://www.literatpro.de/magazin/der-dialog-charakterisierung-und-spannungsaufbau-durch-gespraeche-141224
Schreiben & Leben – „Dialoge schreiben: 8 Tipps + psychologischer Tiefgang“: https://schreiben-und-leben.de/dialoge-schreiben/
Schreibzirkel Frankfurt – „5 erprobte Tipps für gute Dialoge“: https://www.schreibzirkel-frankfurt.de/5-erprobte-tipps-fuer-gute-dialoge/[schreibzirkel-frankfurt]
Grin Magazin – „Fetzige Dialoge schreiben“: https://www.grin.com/magazin/selfpublishing/fetzige-dialoge-schreiben/
Kapiert.de (Schule, aber klar strukturiert) – „Einen Dialog verfassen“: https://www.kapiert.de/deutsch/klasse-5-6/schreiben/erzaehlende-und-kreative-texte-schreiben/einen-dialog-verfassen/
Romanschule – „10 Tipps, wie du gute Dialoge schreibst“: https://www.romanschule.de/schreibtipps/dialoge-schreiben/
epubli – „Dialoge schreiben: Aufbau, Tipps & Beispiele“: https://www.epubli.com/wissen/dialoge-schreiben
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