top of page

Show, don’t tell

  • Writer: Kristian Nystrøm
    Kristian Nystrøm
  • Feb 25
  • 4 min read

Updated: Feb 26

Willkommen in meinem Arbeitszimmer. Setz dich. Ignoriere das leise Summen des Quantenprozessors in der Ecke, der gerade den Plot für meine nächste Trilogie berechnet.


Du willst wissen, wie „Show, don't Tell“ (SDT) wirklich funktioniert?


Es ist die wichtigste Direktive, die wir haben. Als Science-Fiction-Autoren sind wir nicht nur Erzähler, wir sind Architekten fremder Realitäten. Wenn wir scheitern, liest der Leser nur einen Bericht. Wenn wir erfolgreich sind, halluziniert er. Leichter gesagt als getan, vor allem wenn man Fantasy UND Science-Fiction liebt. Warum? Weil es hier Unterschiede für SDT als auch für das Pacing gibt (dazu ein anderes Mal mehr).

 

Show, don't Tell Visualisierung

Lass uns das Prinzip zerlegen, wie einen defekten Warpantrieb.


1. Die Essenz bei Show, don't Tell: Übertragung von Gedanken vs. Übertragung von Gefühlen


Tell“ (Berichten) ist Informationsvermittlung. Es ist effizient, aber trocken.

Show“ (Zeigen) ist Erfahrungsvermittlung. Es ist emotional und immersiv.


In der Science-Fiction haben wir ein Problem, das andere Genres nicht haben: Wir müssen Dinge erklären, die es nicht gibt (Worldbuilding), ohne dass es wie eine Bedienungsanleitung klingt.

 

Das Grundprinzip:

Vertraue der Intelligenz deines Lesers. Gib ihm 2 + 2, aber lass ihn selbst „4“ sagen. Wenn er die Schlussfolgerung selbst zieht, glaubt er sie stärker.

 

2. Das Show, don't Tell Labor: Ein konkretes Beispiel


Tell (Der Bericht):

„Commander Rix war nervös, weil das Lebenserhaltungssystem ausgefallen war und es im Schiff langsam kalt wurde.“

Das ist langweilig. Ich glaube es zwar, aber ich fühle es nicht.

 

Show (Die Erfahrung):

„Rix‘ Atem bildete kleine weiße Wolken, die im Licht der Notbeleuchtung tanzten. Er rieb sich die tauben Finger, bevor er erneut auf die tote Konsole hämmerte. Das stetige Summen der Lüftung war verstummt, und die Stille drückte schwerer auf seine Ohren als der sinkende Kabinendruck.“

Hier sehen wir die Kälte (Atemwolken), spüren die Konsequenz (taube Finger) und hören das Fehlen der Normalität (Stille).

 

3. Der Genre-Vergleich für Show, don't Tell: Sci-Fi vs. Fantasy


Das ist der Punkt, an dem viele stolpern. Beide Genres sind spekulativ, aber sie nutzen SDT für unterschiedliche Ziele.

 

Science-Fiction: Funktionalität und Konsequenz


In der Sci-Fi geht es um Plausibilität und Extrapolation. Wenn du etwas „zeigst“, dann zeigst du meistens, wie Technologie den Alltag oder den Körper verändert.

Der Fokus: Wir zeigen die Abnutzung. Wir zeigen, dass die Technik ein Werkzeug ist, kein Wunder.

Beispiel (Waffe):

Tell: „Es war ein mächtiges Lasergewehr.“

Show (Sci-Fi): „Der Rückstoß des Ionenwerfers riss ihm beinahe die Schulter aus dem Gelenk. Ozon und verbranntes Plastik stiegen ihm in die Nase, während der Lauf rot glühte und knisternd abkühlte.“

Der Unterschied: Hier geht es um Physik, Hitze, Geruch (Ozon). Es wirkt technisch verankert.


Fantasy: Atmosphäre und Wunder (oder Mythos)

In der Fantasy geht es oft um Stimmung, Symbolik und eine tiefere, oft alte Ordnung der Welt.

Der Fokus: Wir zeigen die Resonanz. Wir zeigen, wie die Magie sich anfühlt oder wie die Welt auf sie reagiert.

Beispiel (Waffe):

Tell: „Es war ein magisches Schwert.“

Show (Fantasy): „Als er die Klinge zog, schienen die Schatten im Raum vor dem blassen Licht des Stahls zurückzuweichen. Das Metall summte leise, ein Klang wie ferner Gesang, und die Luft schmeckte plötzlich nach Gewitter.“

Der Unterschied: Hier geht es um Metaphorik (Schatten weichen zurück) und Atmosphäre (Gewitter). Es wirkt mystisch.

 

Zusammengefasst:

Sci-Fi Show: Zeigt mir, wie es funktioniert oder wie es versagt. (Der schmutzige Realismus).

Fantasy Show: Zeigt mir, wie es sich anfühlt und was es bedeutet. (Die atmosphärische Tiefe).

 

4. Die häufigste Falle des Show, Don't Tell: Der „Infodump“ (Die Exposition)


In der Sci-Fi sind wir oft versucht, zu „tellen“, weil wir unsere coole Welt erklären wollen.

Falsch (Tell): „Die Bevölkerung von Neo-Tokio wurde von der MegaCorp unterdrückt, die alle durch neurale Implantate überwachte.“

Richtig (Show): „Kael senkte den Blick, als die Drohne vorbeisummte. Er spürte das vertraute Jucken an der Basis seines Schädels – das Implantat synchronisierte sich ungefragt mit dem Scanner. Auf seiner Netzhaut blinkte in neongrün: Bürger-ID bestätigt. Weitergehen.

Merkregel: Erkläre die Technologie nicht. Lass deine Charaktere sie benutzen (oder sich über sie ärgern). Niemand erklärt heute, wie ein Smartphone funktioniert. Man flucht nur, wenn der Akku leer ist.


5. Wann du „Tell“ benutzen MUSST (Ja, wirklich)


Als angehender Autor sage ich dir: Sei kein Sklave der Regel. Manchmal musst du „tellen“.

 

Für Übergänge: „Sie reisten drei Tage lang durch den Hyperraum.“ (Niemand will drei Tage Langeweile „gezeigt“ bekommen).

Für unwichtige Details: Wenn jemand eine Tür öffnet, zeig mir nicht den Mechanismus, es sei denn, der Mechanismus ist eine Falle. Schreib einfach: „Die Tür glitt auf.“


Dein Arbeitsauftrag


Sieh dir deinen aktuellen Text an. Suche nach Adjektiven, die Gefühle oder Zustände beschreiben (müde, futuristisch, schnell, gefährlich). Streiche sie. Ersetze sie durch eine Handlung oder eine sensorische Wahrnehmung, die dieses Adjektiv beweist.

In der Science-Fiction definieren wir die Zukunft nicht durch Erklärungen, sondern durch die Kratzer auf der Raumschiffhülle.

Nun geh zurück an die Arbeit. Die Galaxis schreibt sich nicht von allein.


Comments


Registriere deine Email hier, um meine neuen Posts zu bekommen:

© 2025 by Kristian Nystrøm

    bottom of page