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Worldbuilding

  • Writer: Kristian Nystrøm
    Kristian Nystrøm
  • Jan 20
  • 5 min read

World building is important in any story, but with science fiction, it’s of particular importance. It’s been described as being like another character in the story, and the plot can be decided by the world in a way that it may not be in realist fiction.” Ian Nettleton


Der Grund für mein Buch ist der Plot, der eng verwoben ist mit einer möglichen Zukunft, die ich sehe. Daher ist das Worldbuilding für mich wichtiger als Plotting-Methoden, die ich ein anderes Mal betrachte. 


Aber eins nach dem anderen. 


Hard Science Fiction vs. Space Opera


Erst einmal solltest du dir überlegen, welche Form von Science-Fiction-Literatur du denn angehen willst. 


Stehst du auf Wissenschaft? Dann könnte Hard Science Fiction der richtige Weg sein, denn die Wissenschaft ist hier der Held und steht im Mittelpunkt. Alles sollte plausibel sein und auf dem Stand der Wissenschaft basieren, auch der theoretischen. Die Frage „Könnte das wirklich passieren?“ muss der Leser mit „JA“ beantworten können. Meist steht hier auch der Konflikt zwischen Mensch und Natur bzw. Technik im Fokus. Wenn du „The Expanse“ kennst, weißt du, was ich meine. 


Oder stehst du mehr auf Abenteuer? Dann ist Space Opera mehr dein Ding. Hier steht das Abenteuer im Fokus, getrieben durch Romantik, Krieg und Politik. Der Weltraum ist nur die Kulisse für menschliche Dramen. Fantasy mit Lasern. Hier wirst du eher die Frage „Ist es episch?“ beantworten und nicht erklären müssen, wie z.B. der interstellare Antrieb funktioniert. Denk nur an Star Wars oder Dune, dann weißt du, was ich meine. 


Mein Problem? Ich mag beides und habe lange mit mir gerungen, wie ich beides unter einen Hut bringen kann. Meine Entscheidung: Ich fokussiere mich auf die Space Opera, baue aber ein Hard-Science-Fiction-Fundament. Ob das gut gehen kann? Wir werden es sehen. 


Was mich an dem Genre fasziniert, ist die Verbindung zu unserem Leben. Science-Fiction spiegelt die Gegenwart wider. Sie ist ein Spiegelbild der aktuellen gesellschaftlichen Geschehnisse. Daher ist das Thema (der Plot) für mich von größter Bedeutung – daraus entwickle ich die Welt. In meiner Geschichte geht es um künstliche Intelligenz und die globalen Probleme, die der Menschheit über den Kopf zu wachsen scheinen. 


Wie lässt man die Welt entstehen? Durch Charakterisierung, also das Darstellen von Ritualen und Gewohnheiten. Es gibt den Begriff der „objektiven Korrelativität“, der besagt, dass die dargestellte Welt durch die Emotionen der Figur gefiltert wird. Wenn man eine Figur in einen Raum setzt, egal ob in einer Science-Fiction-Geschichte oder einem anderen Genre, sollte man die Welt durch die Augen der Figur sehen.


Okay, aber dafür braucht man die Welt.

Also, wie geht Worldbuilding denn nun? 


Worldbuilding: Das ist das Herzstück unserer Arbeit. Aber lass dir eines gesagt sein: Worldbuilding ist keine Tapete, vor der deine Geschichte stattfindet. Das Worldbuilding ist die Physik, die deine Handlung erst möglich macht.

Wie kann man ein Universum konstruieren, das nicht beim ersten Logik-Windstoß zusammenbricht?


Die zwei großen Architekturschulen des Worldbuildings


Es gibt zwei Hauptmethoden, um eine Welt zu erschaffen. Keine ist "besser", aber sie erzeugen unterschiedliche Geschichten.


A. Die Top-Down-Methode (Der Gott-Komplex)


Du fängst ganz oben an. Du bist der Architekt.

  • Der Prozess: Du entwirfst erst die Galaxie, dann das Sternensystem, dann den Planeten, dann das Klima, die Geografie, die politischen Blöcke, die Geschichte der letzten 1000 Jahre und ganz am Schluss erst deinen Protagonisten, der darin lebt.

  • Vorteil: Alles ist extrem konsistent und logisch. Geopolitik und Ökologie greifen perfekt ineinander.

  • Gefahr: Du verbringst 5 Jahre mit dem Entwerfen von Handelsrouten und schreibst keine einzige Zeile Dialog. (Das nennt man „Worldbuilders' Disease“).


B. Die Bottom-Up-Methode (Der Archäologe)


Du fängst ganz unten an. Bei einem Detail.

  • Der Prozess: Du fragst dich: „Was isst mein Charakter zum Frühstück?“ Sagen wir, es ist ein Riegel aus Algenpaste.

    • Warum Algen? Weil die Oberfläche verstrahlt ist und wir unter Wasser leben.

    • Wer stellt die her? Ein Monopol.

    • Wie bezahlt er sie? Mit Sauerstoff-Credits.

  • Vorteil: Die Welt wirkt sofort organisch und "gelebt". Die Exposition ist natürlich.

  • Gefahr: Du rennst später in Logiklöcher, wenn du merkst, dass deine improvisierte Währung im globalen Handel keinen Sinn ergibt.


Mein Rat: Nutze die „Yo-Yo-Methode“. Fang mit einer coolen Idee an (Bottom-Up), spring nach oben, um die Regeln festzulegen (Top-Down), und geh wieder runter zur Story.


Worauf du achten musst: Die drei Gesetze des Worldbuildings


Wenn du Sci-Fi schreibst, schauen Leser sehr genau hin. Hier fallen Kartenhäuser schnell zusammen.


Das Eisberg-Prinzip


Du musst 100 % deiner Welt kennen, aber der Leser darf nur 10 % sehen. Das ist übrigens auch essenziell, wenn „Show, don’t tell“ funktionieren soll – aber dazu an anderer Stelle mehr. 

Das Wissen über das Wirtschaftssystem muss da sein, damit deine Charaktere sich logisch verhalten. Aber du darfst dem Leser keinen 20-seitigen Essay über die Inflation der galaktischen Credits vorlegen. Das Wissen muss "durchscheinen", nicht "erklärt werden".


Technologie formt Kultur (Der soziologische Ripple-Effekt)


Das ist der häufigste Fehler. Autoren erfinden eine neue Technologie, lassen die Gesellschaft aber so wie im Jahr 2024.

  • Beispiel: Wenn du Teleportation hast, gibt es keine Autos mehr. Aber was noch? Es gibt keine Grenzen mehr. Immobilienpreise ändern sich (Wohnen am Strand, Arbeit in Tokio – in Sekunden). Der Begriff „Pünktlichkeit“ ändert sich. Ändert sich das Konzept von „Zuhause“?

  • Die Frage: Frage dich bei jedem Gadget: „Wie verändert das die Art, wie Menschen lieben, arbeiten oder kämpfen?“


Ressourcen und Konflikt


Utopien sind langweilig. Jede spannende Welt basiert auf Mangel.

Was ist in deiner Welt teuer?

  • In Dune ist es Wasser/Spice.

  • In Cyberpunk ist es „echte“ Natur oder Privatsphäre.

  • In The Expanse ist es Luft und Wasser.Definiere, was knapp ist, und du hast automatisch Kriege, Schmuggel, Reichtum und Armut definiert.


Tools und Werkzeuge fürs Worldbbuilding (Digital & Analog)


Es gibt mittlerweile wirklich viele Tools, die dir dabei helfen, deine Arbeit zu struktieren. Anbei ein paar: 


Die Organisations-Monster

Um nicht den Überblick zu verlieren, brauchst du eine Datenbank.

  • Obsidian: Ein Tool, das wie ein "zweites Gehirn" funktioniert. Du kannst Wiki-Links erstellen. Du verbindest „Raumschiff-Antrieb“ mit „Ressourcenknappheit“. Perfekt für komplexe Sci-Fi-Netzwerke.

  • Scrivener: Der Standard für Autoren. Du hast deine Kapitel und deine Recherche an einem Ort.

  • World Anvil: Ein webbasiertes Tool, speziell für Worldbuilder. Es hat Vorlagen für alles (Planeten, Spezies, Gesetze). Sehr visuell, sehr mächtig, aber auch komplex.

  • Google Docs: Durch Dokumententabs, sehr flexibel. Ich habe Tabs für alles: Plot. Wissenschaft. Charaktere. Ressourcen. Offene World- und Wissenschaftsfragen usw. 


Visuelle Hilfen

  • Wonderdraft / Inkarnate: Um Karten zu zeichnen. Eher für Fantasy geeignet, aber erwähnte ich schon, dass ich an einer Space Opera arbeite? Kann man auch gut für planetare Oberflächen nutzen.

  • Miro: Eigentlich eine kollaborative, visuelle Plattform. Nutze ich gern, um die Storyline anhand von Kapitel-Outlines zu visualisieren 

  • Pinterest: Erstelle Moodboards. Wie sieht die Architektur aus? Wie die Kleidung? Zeig das nicht im Buch, aber hab das Bild im Kopf, wenn du es beschreibst.


Ein letzter Test für deine Welt


Bevor du anfängst zu schreiben, mach den „Klempner-Test“.

Hör auf, an deinen Hauptcharakter zu denken. Denk an einen Klempner (oder Techniker) in deiner Welt.

  • Wie kommt er zur Arbeit?

  • Worüber beschwert er sich abends in der Bar?

  • Vor wem hat er Angst? (Der Polizei? Den Konzernen? Aliens?)

  • Woran glaubt er?


Wenn du diese Fragen beantworten kannst, ist deine Welt solide. Wenn nicht, hast du nur eine Kulisse gebaut.


Jetzt geh und bau Welten, in denen wir uns verlieren wollen. :)

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